„Blitzschnell“ Sprachen Lernen – Der Gegensatz zwischen Versprechen und Realität

• „Unbegrenzt Sprachen Lernen – Blitzschnell, Kinderleicht, zum kleinen Preis“
• „Lernen im Schlaf – Fremdsprachen lernen wie ein Profi“
• „Englisch lernen – kostenlos und kinderleicht“
• „Akzentfrei Sprachen im Schlaf lernen“
• „Lernen Sie Englisch in nur zwei Wochen“

Sind alles „Versprechen“ die im Internet kursieren. Doch was ist an diesen Versprechen wirklich wahr? Und was kann lediglich als „kreatives Marketing“ verbucht werden?

Wenn man Aussagen wie „blitzschnell“ oder „kinderleicht“ im Zusammenhang mit des Erlernens einer Sprache bewusst hinterfragt, besonders noch in Verbindung mit „kostenlos“ oder „zum kleinen Preis“, dann sollte „eigentlich“ schnell deutlich werden, dass diese Angebote nicht wirklich seriös sein können.

Denn, wenn es doch wirklich so einfach wäre, eine Fremdsprache zu erlernen, warum tun sich so viele Menschen so schwer damit und warum haben diese „Wundermethoden“ nicht schon lange allen Menschen die verschiedensten Sprachen „beigebracht“?

Werfen wir doch einmal einen Blick auf die diversen Faktoren die das Erlernen einer Sprache beeinflussen:

Zeit

Viele Studien belegen, dass Spracherwerb ca. ab dem 6. Lebensmonat beginnt und dass Kinder normalerweise im Alter zwischen zwei und vier Jahren ihre Muttersprache(n) mit gutem Wortschatz und korrekter Grammatik sprechen können.

Weitere Studien legen nahe, dass der akzentfreie Erwerb einer Sprache ebenfalls nur während der Kindheit möglich ist. Hier werden, abhängig von der jeweiligen Studie, unterschiedliche Altersstufen angegeben. Allgemein akzeptiert ist jedoch, dass der akzentfreie Erwerb einer Sprache nach dem 12. Lebensjahr sehr unwahrscheinlich ist.

Unstrittig ist, dass die ersten 6 Lebensjahre eines Menschen die lernfähigste Zeit sind, die er jemals erleben wird.

Wie kann es dann sein, dass ein Kind im lernfähigsten Alter seines Lebens 1, 2 oder 3 Jahre braucht um eine (oder mehrere) Sprache(n) zu erlernen, ein Erwachsener aber die gleiche Anforderung „blitzschnell“, „in nur zwei Wochen“, „akzentfrei“, und, am besten noch „im Schlaf“ erfüllen soll?

Lernmethoden

Auch hier hilft ein Blick auf unsere ersten Sprech- und Sprachversuche. Kinder lernen Sprache durch Nachahmung. Das ist auch der Grund, warum ein Kind z. B. den Dialekt seines Umfeldes spricht. Es lernt von seinem Umfeld, durch Experimentieren und auch durch „Fehler“. Je mehr ein Kind spricht, desto schneller und besser wird es eine Sprache beherrschen.

Diese Erkenntnis lässt sich hervorragend auf das Sprachenlernen übertragen. Auch Erwachsene lernen eine neue Sprache am besten, am schnellsten und am effektivsten indem sie diese Sprache möglichst viel sprechen.

Was bedeutet das in Bezug auf Lehrmethoden? Auf das Lernen?

Grundsätzlich kann man hier ableiten, dass aktive Lernmethoden, d. h. die Methoden welche Kommunikation mit anderen Menschen beinhalten, weitaus effektiver sind als solche, die wenig Kommunikation (z. B. Apps, Bücher, Lernprogramme) oder einseitige Kommunikation (z. B. Spracherkennungsprogramme) als Grundlage haben.

Damit die aktiven Lehrmethoden dem Lernenden Erfolge bringen, ist einiges in Puncto Kompetenzen in Lehrmethodik und Didaktik erforderlich. Es ist daher absolut essentiell, dass die menschliche Lehrkraft über diese notwendigen Kompetenzen verfügt.

Kosten

Ein rheinisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Von nix kütt nix (von nichts kommt nichts)“.

Warum würde sich ein Experte, ein gut ausgebildeter Profi, so billig verkaufen, dass ein kostenloses bzw. „billiges“ Lernen durchführbar ist?

Wie kann ein Hochleistungsprogramm „kostenlos“ oder „zum kleinen Preis“ verfügbar sein?

Die logische Schlussfolgerung auf solch ein Angebot muss doch sein, dass Programme oder Experten, die sich auf derlei Weise vermarkten, entweder gar keine Profis sind – oder, dass die Werbung, bzw. deren Versprechen, nicht der Wahrheit entsprechen.

Es ist unglaubwürdig, dass ein gutes Sprachtraining zu einem Preis erfolgen kann, bei dem die eingesetzten Trainer knapp über dem Mindestlohn arbeiten müssen. Und dann als Kunde zu erwarten, dass diese Trainer gut ausgebildet und erfahren sind, entbehrt doch jeder Logik.

Billighonorare funktionieren logischerweise nur bei schlecht bzw. gar nicht ausgebildeten Sprachtrainern (sprich Work and Travel Student, „lediglich“ Muttersprachler ohne jegliche Ausbildung oder Lehrkompetenz o.ä.).

Die Erwartung, dass Sprachtrainer ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben, als Sprachtrainer zertifiziert sind, jede Menge Erfahrung haben – aber für € 10,00, € 14,00 oder € 18,00 pro Stunde arbeiten sollen, kann doch nur als lächerlich bezeichnet werden.

Einfache, billige Lösungen können nicht zum Ziel führen. Denn „einfach“ und „billig“ stehen im absoluten Widerspruch zu „kompetent“ und „effektiv“.

Fazit

Es gab schon immer „Wunderheiler“. Quacksalber, die den Menschen einfache Antworten auf komplexe Fragen verkauften. Die ein „Pulver“ anboten das alle Krankheiten heilen würde.

Wie zum Beispiel das hochgiftige Blei-Acetat. Dieses galt im 19. Jahrhundert als ein Wundermittel zur Heilung vieler Krankheiten. Aufgrund seiner hohen Toxizität brachte es jedoch wahrscheinlich mehr Menschen um als es verschonte. Geheilt hat es vermutlich niemanden! Und dennoch wurde es jahrzehntelang angewendet! Und viele Menschen verfochten seine Effektivität.

Genauso wenig wie ein Pulver alle Krankheiten heilen kann, so kann auch kein Programm keine einzelne Lernmethode und schon gar nicht eine App das Allheilmittel in Bezug auf ein effektives Sprachenlernen sein.

Bedauerlich ist, dass dann viele Menschen schlussfolgern, Sprachtraining solle so sein und ihnen kaum bewusst wird, dass die Fortschritte fehlen, dass das Training nicht effektiv ist. Oder sie merken es, sind dann aber vertraglich gebunden und verschwenden viel Geld. Auch wenn sie „wenig“ bezahlen, ist es doch teuer, wenn dieses „Wenige“ zum Fenster herausgeworfen wird.

Die „Wunderangebote“ sind „billig“. Wer diesen als Kunde Glauben schenkt, bekommt genau das, wofür er bezahlt – schlechte Leistung.

Es gibt keine wundersame Eingebung, kein „blitzschnelles Lernen im Schlaf“, keine Geheimmethode. Eine Sprache zu lernen erfordert Zeit, Anstrengung, Geduld und fachkundige Unterstützung.

Quellen: http://linguistlist.org/ask-ling/lang-acq.cfm, Pecchi, Jean Stillwell. 1994. Child Language. London: Routedge, Bongaerts, T. (2005). Introduction: Ultimate attainment and the critical period hypothesis for second language acquisition. International Review of Applied Linguistics in Language Teaching

2017-06-07T08:34:19+00:00