Hübschlerinnen und deren gefiederte Freunde

Eine kleine Warnung vorab – dieser Blog Artikel wird etwas schlüpfrig. Tauchen wir doch heute in das halbseidene Gewerbe ein.

Der Begriff „halbseiden“ bedeutet eigentlich eine Textilsorte, die aus einem Mischgewebe von Seide und Baumwolle oder Leinen besteht. Es ist aber auch ein mittlerweile etwas altmodischer Begriff für Prostitution. Eine „Halbseidene“ ist also eine Prostituierte, genau wie eine „Hübschlerin“.

Im Mittelalter musste sich eine „Hübschlerin“ deutlich durch ihre Kleidung als Prostituierte offenkundig machen. Wie sie das zu tun hatte, war von Stadt zu Stadt unterschiedlich; meistens jedoch musste sie sich in den sogenannten „Schandfarben“, nämlich Rot, Gelb oder Grün kleiden. Dies unterschied die „Hübschlerinnen“ von den „ordentlichen“, den „anständigen“, den „ehrbaren“ Frauen. Denn diese durften sich nicht herausputzen. Anständige Frauen trugen gedeckte Farben und im Gegensatz zu den „Hübschlerinnen“ einen Schleier, der den Kopf ganz bedeckte. Hübschlerinnen durften ihren Kopf nicht komplett mit einem Schleier bedecken, trugen bunte Kleidung in den besagten Schandfarben und benutzten Kosmetika aus Kohle, rotem Rübensaft oder zerriebenen Blattläusen gefertigt „um die Aufmerksamkeit der Kunden zu erregen“.

„Hübschlerinnen“ wohnten in sogenannten „Frauenhäusern“. Ein Begriff, der im Mittelalter allerdings einen ganz anderen Sinn hatte als heute. Sind heute Frauenhäuser ein Zufluchtsort für misshandelte Frauen, waren diese im Mittelalter schlichtweg Bordelle die von „Frauenwirten“ betrieben wurden. Wobei der Unterschied zwischen damals und heute vielleicht doch nicht so groß ist, denn es gab sicher viele misshandelte Frauen in den mittelalterlichen Frauenhäusern…

Um zu kennzeichnen, dass eine „Hübschlerin“ frei war, d. h. gerade keine Kundschaft hatte, hängte diese einen Vogelkäfig in ihr Fenster. Wenn also ein Freier sich nach Gesellschaft sehnte, dann sagte er: „Ich geh zu den Vögeln“. „Freier“ hatte im Mittelalter allerdings auch eine andere Bedeutung als heute. Ein mittelalterlicher Begriff der dem modernen „Freier“ nahe kommt, wäre „Hurer“. Ein Freier war damals nämlich ein Heiratskandidat mit ernsthaften Absichten. Auch ein interessanter Wandel der Sprache…

Während die Vogelkäfige im Fenster hingen und die Hübschlerinnen auf Kundschaft warteten, spielten sie oft ein Brettspiel namens „Puff“, nicht unähnlich dem Backgammon. Wenn Kunden also „Puff“ spielen gingen, dann war die fadenscheinige Ausrede des Brettspiel Spielens schnell als Vorwand entlarvt…

Quellen: dwds.de, deacademic.com, Wikipedia, erfurt-lese.de,schule.de, fuchsmaedchen.de

2017-08-25T13:28:44+00:00