„Ohne Worte“ – Sprachlos sein… Wie führe ich die innere Kündigung bei Mitarbeitern herbei? Was ist mittlerweile passiert?

Es fühlt sich ein bisschen wie ein Krimi an. Immer wieder kommen Fragen was denn mit den Menschen, deren Geschichten in den Beiträgen beispielhaft aufgeführt wurden, passiert ist.

Daher, nach etwas Recherche und Rücksprache, die Aufklärung der einzelnen „Schicksale“:

  1. Damals: Der Vertriebler, der am anderen Ende der Republik wohnt, am Wochenende nach Hause pendelt. Ein Job der für mobiles Arbeiten, z.B. an Brückentagen, geradezu geschaffen ist, dessen neuer Teamleiter jedoch grundsätzlich Anwesenheitspflicht im Büro einführt.
    Heute: Zwischenzeitlich hat hier ein Stellenwechsel stattgefunden. Der Vertriebler pendelt zwar immer noch, denn auch der neue Job liegt weiter entfernt vom Wohnort. Aber, im neuen Job hat er einen Jour Fixe Tag an dem er vor Ort im Büro sein muss, sonst ist seine Zeiteinteilung ihm frei überlassen. Er verdient etwas weniger, dafür ist er mit der jetzigen Work-Life-Balance überglücklich. Seine Familie übrigens auch.
  2. Damals: Die Sachbearbeiterin, die aufgrund Bahnstreiks mehrmals ca. 30 Minuten zu spät zur Arbeit kommt und dafür eine Abmahnung erhält. Dies obwohl deren Vorgesetzte weiß, dass der Ersatzfahrplan der Bahn kein früheres Eintreffen ermöglicht und die Mitarbeiterin anbietet die Zeit nachzuarbeiten.
    Heute: Die Sachbearbeiterin harrt weiter in diesem job aus. Ihr fehlt der Mut für einen Neuanfang woanders. Sie sieht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt als schlecht an. Sie ist häufig krank.
  3. Damals: Der erfahrene, gut ausgebildete, hochdotierte Projektmanager der zwar „offiziell“ für seine Projekte die Verantwortung trägt, dessen Vorgesetzter ihm jedoch keinerlei Handlungsmöglichkeit oder Entscheidungsfähigkeit gestattet. Eine Führungskraft, die jedes Detail wissen und absegnen will, trotz der damit einhergehenden Zeit- und Ressourcenverschwendung.
    Heute: Der Projektmanager ist 58. Er hat eine lange Betriebszugehörigkeit, mit Ansprüchen auf eine betriebliche Pension. Daher sieht er es als nicht sinnvoll an, den Job in dieser Lebensphase noch zu wechseln. Er hat sich „mit der Situation arrangiert“, „leistet das absolut Notwendige“ und „freut sich auf den Ruhestand“.
  4. Damals: Die vom Kitastreik betroffene Steuerberaterin die während des Streiks teilweise mobil von Zuhause aus arbeiten will, weil sie keine komplette Alternativbetreuung für Ihren Sohn findet. Obwohl sie alle Verpflichtungen dadurch hätte erfüllen können wird ihr mobiles Arbeiten untersagt.
    Heute: Hier fand ebenfalls ein Stellenwechsel statt. Im neuen Job ist mobiles Arbeiten zwar nicht die Regel, ist aber in Ausnahmefällen wie Kitastreik, Krankheit des Kindes usw. möglich. Auch hier ist eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit im Job, verbunden mit einer unverkennbar höheren Leistungsbereitschaft, festzustellen.
  5. Damals: Das Team hochdotierter, hervorragend qualifizierter, erfahrener Spezialisten, dessen Teamleiter deren Arbeit (Präsentationen, Gutachten, Berichte, Analysen usw.) grundsätzlich so darstellt, dass diese seine persönliche Leistung implizieren.
    Heute: Einige Team Mitglieder haben entweder innerhalb des Konzerns neue Stellen gefunden oder haben das Unternehmen verlassen. Einem Mitarbeiter wurde gekündigt. Hier läuft ein arbeitsrechtliches Verfahren. Es herrscht eine „Dienst nach Vorschrift“ Mentalität. Der Teamleiter „führt“ in gewohnter Weise weiter.
  6. Damals: Das inhabergeführte Unternehmen im Kreativbereich in dessen Branche Produktmessen ein extrem wichtiger Faktor sind. Die Produktdesigner müssen aktuelle Entwicklungen im Blick haben. Aber, Messebesuche gelten im Unternehmen als Fortbildung. Und zur Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen jeglicher Art muss Urlaub genommen werden. Zudem werden Eintrittskarten und Reisekosten nicht erstattet – denn die Mitarbeiter haben ja Urlaub!
    Heute: Die Leiterin des Designteams verlässt gerade, nach über 13 Jahren Betriebszugehörigkeit, das Unternehmen. Sie wechselt zum Mitbewerber
  7. Damals: Die 30jährige Beraterin, die die anstehende Beförderung zum „Senior Consultant“ nicht erhält. Stattdessen geht diese an einen weniger qualifizierten, männlichen Kollegen. Die Begründung ihres Bereichsleiters im „vier Augen Gespräch“? Er erwartet, dass sich bei ihr in absehbarer Zeit Nachwuchs einstellt und er möchte die daraus resultierende „Unruhe“ nicht.
    Heute: Die Beraterin befindet sich mitten in ihrer Promotion. Sie ist weder schwanger, noch hat sie ein Kind bekommen. Ihr Bereichsleiter hat das Unternehmen verlassen. Mittlerweile ist sie zum „Senior Consultant“ aufgestiegen.

 

 

Mehr Interessantes, Wissenswertes und Amüsantes über Sprache und Interkulturelles finden Sie in meinem Blog: http://www.englisch-nach-mass.de/blog/

2017-06-27T11:48:14+00:00