Zielgruppe verfehlt – Kulturelle Fallstricke auf Webseiten: Texte

Laut einer aktuellen Studie der IHK Bonn/Rhein-Sieg betreiben über ein Drittel der exportorientierten Unternehmen in deren Zuständigkeitsbereich ihre Webseiten ausschließlich auf Deutsch und verzichten gänzlich auf Übersetzungen. Im Zeitalter der Globalisierung, besonders bei exportorientierten Unternehmen, eine ernüchternde Bilanz.

Unternehmen, die mehrsprachige Webseiten betreiben, sind zwar fortschrittlicher und wenden diverse Kommunikationslösungen an. Meistens sind diese jedoch auf eine Übertragung der Sprache (Text und Bild) in die Zielsprache beschränkt. Bei dieser Vorgehensweise finden sich allerdings jede Menge unterschätzter Fallstricke, die zu möglicherweise fatalen Konsequenzen führen können.

Hier ist eine Auswahl der häufigsten (Sprach) Fallen:

1.Google

Eine vermeintlich bequeme, daher oft angewendete Lösung: Übersetzung der Webseite „á la Google“. Hier lassen die Betreiber ihre Webseite einfach von Google automatisch übersetzen. Automatisiert, billig und in beinahe jeder Sprache möglich. Ein Kernproblem dieser automatisierten Bearbeitung ist natürlich die sprachliche Komponente. Automatische Übersetzungen sind oft sprachlich nicht korrekt, ganz zu schweigen vom Schreibstil. Häufig ist das Ergebnis einer automatischen Übersetzung ein unverständliches Kauderwelsch. Resultat: Eine unprofessionelle Darstellung des Unternehmens.

Beispiel aus der Praxis:

Originaltext: „We leverage our asset management capabilities to drive long-term value from our assets, helping our customers and investors achieve their business goals“.

„Google“ Übersetzung: „Wir nutzen Fähigkeiten unserer Asset-Management langfristigen Wert unserer Vermögenswerte zu fahren, unsere Kunden und Investoren zu helfen, ihre Geschäftsziele zu erreichen“.

2.Übersetzung „Marke Eigenbau“

Eine weitere, beliebte Lösung vieler Unternehmen: Die Webseite unternehmensintern in die Zielsprache zu übersetzen. Oft wird diese Aufgabe durch die Geschäftsführung oder durch Mitarbeiter übernommen. In den meisten Fällen ist die fremdsprachliche Kompetenz dafür leider nicht ausreichend.

Das Ergebnis: Peinliche Fehler und Missverständnisse. Keine wünschenswerte Selbstdarstellung, dennoch ein häufig vorkommender Sachverhalt.

3.Übersetzung „aber bitte günstig“

Manche Unternehmen engagieren Übersetzer und lassen ihre Webseite übersetzen. Leider verbergen sich auch hier oft unerwartete Gefahren.

Bei Dienstleistungen wie Übersetzungen wird gerne das „günstigste“, sprich billigste Angebot genommen. Meistens bedeutet das jedoch, dass die resultierende Übersetzung suboptimal ist. Auch hier ist das Ergebnis ein wenig professionelles Image für das Unternehmen.

Wenn ein Übersetzer nämlich zum Billigtarif arbeitet

•dann ist er oder sie entweder nicht gut qualifiziert (denn gute Kräfte arbeiten nicht für Dumpinghonorare) oder
•die Übersetzung muss in einem Tempo erfolgen, welches eine sorgfältige Arbeit nicht zulässt (auch von dieser Vorgehensweise werden kompetente Fachkräfte Abstand nehmen).

4.Kompetente Übersetzung

Andere Organisationen schätzen Professionalität, engagieren qualifizierte, kompetente Übersetzer und lassen ihre Webseite fachkundig übersetzen. Von den hier angeführten Möglichkeiten ist diese die bestmöglichste. Aber auch hier lauern Fallgruben.

Denn die Aufgabe einer Übersetzung wird oft vom Kunden missverstanden.

•Die Funktion des Übersetzens beinhaltet ausschließlich die Übertragung eines Textes wortgetreu von der Ausgangs- in die Zielsprache.
•Sie beinhaltet keine Textbearbeitung bzw. Textinterpretation oder Änderung.
•Neukonzeption von Marketingtexten für andere Kulturen ist nicht Aufgabe einer Übersetzung.

Wenn Texte bearbeitet, angepasst oder interpretiert werden sollen, sind Übersetzer und Übersetzungen kein Ersatz für Marketing- und Werbespezialisten.

Und diese Fallen betreffen nur die sprachlichen Aspekte, also die Texte auf der Webseite. Was ist mit der Bildsprache?

Im nächsten Blog: Zielgruppe verfehlt – Kulturelle Fallstricke auf Webseiten: Bildsprache

Quellen: „Die Wirtschaft“, Mai 2017, IHK Bonn/Rhein-Sieg, monster.de, guardian.com

2017-10-11T09:22:11+00:00